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So interessant können Übersetzungslösungen sein

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Warum Like-Blog? Nun, zum einen ist dieser Blog ein Blog, den Sie mögen (und regelmäßig lesen) sollten – zumindest dann, wenn Sie sich für Übersetzungen interessieren. Zum anderen ist das hier behandelte Thema eines, in dem die sinnstiftende Ähnlichkeit zwischen einem Text und seiner Übersetzung im Sprachenpaar Englisch-Deutsch eine zentrale Rolle spielt. Auf dieser Seite diskutiere ich einige interessante Übersetzungslösungen, die mir im Laufe meiner Tätigkeit als Übersetzer und Übersetzungswissenschaftler über den Weg gelaufen sind.

Eine Übersetzungslösung ist immer nur so gut wie die sie stützenden Argumente. Wer also positive oder negative Übersetzungskritik übt, muss diese auch begründen. Wie gut eine Übersetzungslösung ist, erweist sich erst in Relation zu anderen möglichen Übersetzungslösungen in einer gegebenen Übersetzungssituation. Daher sollte ein Übersetzungskritiker oder eine Übersetzungskritikerin nicht nur sagen, warum eine Übersetzungslösung schlecht ist, sondern auch aufzeigen, wie eine bessere Lösung aussehen könnte. Diese Grundsätze der Übersetzungskritik werde ich versuchen zu beherzigen. Das bedeutet auch: Wenn Sie Fragen zu meiner Argumentation haben oder anderer Meinung sind, lassen Sie es mich gerne wissen unter 04171 6086525 oder per E-Mail an bittner@businessenglish-hamburg.de. Doch nun genug der einleitenden Worte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Von Peking nach Teheran (April 2023)

„If you think you’re sometimes spoiled for choice, consider the lot of a news editor on the first weekend of June 1989. On the afternoon of Saturday, June 3, the condition of Ayatullah [sic] Ruhollah Khomeini, the Supreme Leader of Iran, began to rapidly deteriorate. Just before midnight, Khomeini, 86, died, his death announced [sic] on the radio a few hours later. Tehran is 3½ hours behind Beijing, so at just the time the crowds in Iran were taking to the streets in extraordinary expressions of grief, the people of Beijing, no less in shock, were coming to terms with what had happened in the early hours of that Sunday morning. Troops of the People’s Liberation Army had cleared the remnants of student protests in Tiananmen Square, shooting into the crowds as they did so.“ So beginnt „Shifting On Its Pivot“, ein Artikel von Michael Elliott, der am 18. Juni 2009 bei Time.com veröffentlicht wurde.

In einer deutschen Übersetzung wird der mittlere Satz „Tehran is 3½ hours behind Beijing [...] in the early hours of that Sunday morning“ wie folgt wiedergegeben: „Teheran liegt dreieinhalb Stunden hinter Peking, und während sich die Menschenmengen im Iran als Zeichen von außerordentlicher Trauer auf die Straßen begaben, standen (zur selben Zeit) die Menschen in Peking nicht weniger unter Schock und versuchten zu begreifen, was in den frühen Stunden dieses Sonntagmorgens passiert war.“ Die Übersetzung ist durchaus elegant. Trotzdem gibt es hier ein Problem. Haben Sie es schon entdeckt?

Es geht um den Nebensatz „während sich die Menschenmengen im Iran als Zeichen von außerordentlicher Trauer auf die Straßen begaben“, der auf den ersten Blick unauffällig daherkommt, bei genauer Betrachtung jedoch nicht viel Sinn ergibt. Denn das Auf-die-Straße-gehen ist nicht schon an sich Ausdruck der Trauer, „as an extraordinary expression of grief“ nicht gleichbedeutend mit „in extraordinary expressions of grief“. Abhilfe schüfe ein Ersetzen des Ausdrucks „als Zeichen von“ durch „gezeichnet von“.

Fazit: Eine elegante Übersetzung ist nicht automatisch auch eine richtige Übersetzung. Diese Erkenntnis ist besonders in Zeiten, da viele Texte mit maschineller Unterstützung übersetzt werden, von Bedeutung.