Like-Blog
So interessant können Übersetzungslösungen sein
Warum Like-Blog? Nun, zum einen ist dieser Blog ein Blog, den Sie mögen (und regelmäßig lesen) sollten – zumindest dann, wenn Sie sich für Übersetzungen interessieren. Zum anderen ist das hier behandelte Thema eines, in dem die sinnstiftende Ähnlichkeit zwischen einem Text und seiner Übersetzung im Sprachenpaar Englisch-Deutsch eine zentrale Rolle spielt. Auf dieser Seite diskutiere ich einige interessante Übersetzungslösungen, die mir im Laufe meiner Tätigkeit als Übersetzer und Übersetzungswissenschaftler über den Weg gelaufen sind.
Eine Übersetzungslösung ist immer nur so gut wie die sie stützenden Argumente. Wer also positive oder negative Übersetzungskritik übt, muss diese auch begründen. Wie gut eine Übersetzungslösung ist, erweist sich erst in Relation zu anderen möglichen Übersetzungslösungen in einer gegebenen Übersetzungssituation. Daher sollte ein Übersetzungskritiker oder eine Übersetzungskritikerin nicht nur sagen, warum eine Übersetzungslösung schlecht ist, sondern auch aufzeigen, wie eine bessere Lösung aussehen könnte. Diese Grundsätze der Übersetzungskritik werde ich versuchen zu beherzigen. Das bedeutet auch: Wenn Sie Fragen zu meiner Argumentation haben oder anderer Meinung sind, lassen Sie es mich gerne wissen unter 04171 6086525 oder per E-Mail an bittner@businessenglish-hamburg.de. Doch nun genug der einleitenden Worte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Lizenzieren (April 2026)
Im folgenden Satz aus „Bringing NASA down to Earth“ von Tom Huntington (Invention and Technology, Band 23, Herbst 2008) geht es um eine Lizenz:
„While NASA opted instead for solid fuel in its spacecrafts, scientists Ronald Moskowitz and Ronald Rosenweig of Avco Space Systems licensed the technology and founded Ferrofluidics Corporation (now Ferrotec).“
Die Übersetzerin schrieb auf Deutsch: „Während sich die NASA stattdessen für festen Brennstoff in ihren Raumfahrzeugen entschied, lizenzierten die Wissenschaftler Ronald Moskowitz und Ronald Rosenzweig von ‚Avco Space Systems‘ die Technologie und gründeten die ‚Ferrofluidics Corporation‘ (heute Ferrotec).“
Interessant ist hier die Verwendung des Verbs „license“ und seines deutschen Äquivalents, „lizenzieren“. In der Regel bedeuten beide Verben „jemandem für etwas eine Lizenz erteilen“. Leider ergibt diese Bedeutung im vorliegenden Fall keinen Sinn, denn Ronald Moskowitz und Ronald Rosenzweig waren nicht die Lizenzgeber, sondern die Lizenznehmer für die Ferrofluidtechnologie. Dass das englische Verb „license“ anscheinend auch bedeuten kann, eine Lizenz zu erhalten oder zu erwerben, geht aus den meisten Wörterbüchern nicht hervor. Eine Ausnahme bildet dictionary.cambridge.org: Hier gibt es neben der Konstruktion „license sth to sb“ auch „license sth from sb“.
Im Deutschen funktioniert jedoch lediglich die erste der beiden Konstruktionen. Wer etwas lizenziert, erteilt jemandem dafür eine Lizenz. Da diese Bedeutung im vorliegenden Fall nicht passt, muss die deutsche Übersetzung korrigiert werden, zum Beispiel: Während sich die NASA stattdessen für festen Brennstoff in ihren Raumfahrzeugen entschied, erwarben die Wissenschaftler Ronald Moskowitz und Ronald Rosenzweig von „Avco Space Systems“ eine Lizenz für die Technologie und gründeten die „Ferrofluidics Corporation“ (heute Ferrotec).