Like-Blog
So interessant können Übersetzungslösungen sein
Warum Like-Blog? Nun, zum einen ist dieser Blog ein Blog, den Sie mögen (und regelmäßig lesen) sollten – zumindest dann, wenn Sie sich für Übersetzungen interessieren. Zum anderen ist das hier behandelte Thema eines, in dem die sinnstiftende Ähnlichkeit zwischen einem Text und seiner Übersetzung im Sprachenpaar Englisch-Deutsch eine zentrale Rolle spielt. Auf dieser Seite diskutiere ich einige interessante Übersetzungslösungen, die mir im Laufe meiner Tätigkeit als Übersetzer und Übersetzungswissenschaftler über den Weg gelaufen sind.
Eine Übersetzungslösung ist immer nur so gut wie die sie stützenden Argumente. Wer also positive oder negative Übersetzungskritik übt, muss diese auch begründen. Wie gut eine Übersetzungslösung ist, erweist sich erst in Relation zu anderen möglichen Übersetzungslösungen in einer gegebenen Übersetzungssituation. Daher sollte ein Übersetzungskritiker oder eine Übersetzungskritikerin nicht nur sagen, warum eine Übersetzungslösung schlecht ist, sondern auch aufzeigen, wie eine bessere Lösung aussehen könnte. Diese Grundsätze der Übersetzungskritik werde ich versuchen zu beherzigen. Das bedeutet auch: Wenn Sie Fragen zu meiner Argumentation haben oder anderer Meinung sind, lassen Sie es mich gerne wissen unter 04171 6086525 oder per E-Mail an bittner@businessenglish-hamburg.de. Doch nun genug der einleitenden Worte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Universitäre Finanzen (Juli 2026)
In „Will they still come?“ aus The Economist vom 7.8.2010 geht es um ausländische Studis in Großbritannien:
„To start with, [international students] are crucial to the finances of cash-strapped universities.“
Übersetzt wurde das folgendermaßen: „Zunächst einmal sind [die ausländischen Studierenden] für die Finanzlage der von Pleite bedrohten Universitäten entscheidend.“
Der Ausdruck „von Pleite bedroht“ ist nicht nur ungewöhnlich im Zusammenhang mit Universitäten, sondern übertreibt hier als Übersetzung von „cash-strapped“ den im Original beschriebenen Sachverhalt, zumal da das Adjektiv im Kontext keine definierende, sondern lediglich eine allgemein beschreibende Funktion hat. Mit anderen Worten: Es geht nicht darum, „cash-strapped universities“ von nicht „cash-strapped universities“ zu unterscheiden; vielmehr haben mehr oder weniger alle Universitäten ein finanzielles Problem. Die drastische Wortwahl im Deutschen erzwingt jedoch eine definierende Funktion, denn schließlich sind nicht alle Universitäten von einer Pleite bedroht.
Besser würde übersetzt: Zunächst einmal sind [die ausländischen Studierenden] für die Finanzlage der unter chronischem Geldmangel leidenden Universitäten entscheidend.